Von Brüchen zu Brücken – phasenübergreifende Zusammenarbeit in der Lehrkräfte(fort)bildung. Beispiele aus den Bundesländern

08.–10. Oktober 2026 | Speyer

Jahrestagung des Deutschen Vereins zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung (DVLfB) in Kooperation mit dem Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz

Call for Participation

Die Lehrkräftebildung in Deutschland ist traditionell als dreiphasiger Prozess organisiert: Studium, Vorbereitungsdienst sowie Lehrkräftefort- und -weiterbildung folgen jeweils eigenen Zuständigkeiten, Institutionen und Logiken. Diese Struktur hat vieles ermöglicht, führt aber auch zu Brüchen: Die drei Phasen sind bislang häufig nur lose miteinander verknüpft. Inhalte bauen nicht systematisch aufeinander auf, zentrale Begriffe werden unterschiedlich verwendet und Anforderungen werden von Phase zu Phase oft neu gesetzt. Für Lehrkräfte ist daher kaum erkennbar, wie die Lernerfahrungen in Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung aufeinander aufbauen sollen, sodass sich ihre professionelle Entwicklung eher in einzelnen, voneinander getrennten Qualifizierungsschritten vollzieht als in einem gut abgestimmten, kontinuierlichen Lernprozess.
Besonders deutlich werden die Brüche in der Lehrkräftefort- und -weiterbildung. Denn sie setzt dort an, wo Studium und Vorbereitungsdienst bereits abgeschlossen sind – und steht damit oft vor der Aufgabe, Defizite an Kohärenz, fehlende Anschlussfähigkeit oder ungeklärte Rollenbilder aus den vorangegangenen Phasen aufzufangen. Fortbildung muss in der Praxis nicht selten das kompensieren, was zuvor nicht systematisch aufeinander bezogen war.
Zugleich wachsen die Anforderungen an Schul- und Unterrichtsentwicklung: Lehrkräftemangel, Heterogenität, Digitalisierung & KI, Inklusion, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Polarisierung erhöhen den Druck auf Schulen – und damit auch auf die professionelle Weiterentwicklung von Lehrkräften über die gesamte Berufsbiografie hinweg. Lehrkräftebildung muss daher stärker als bislang als zusammenhängender, phasenübergreifender Prozess verstanden und gestaltet werden.
Diese Konstellation unterstreicht, dass die Lehrkräftefort- und -weiterbildung eine zentrale Schaltstelle im System der Lehrkräftebildung ist. Denn in ihr entscheidet sich, ob die über Jahre hinweg aufgebaute professionelle Expertise von Lehrkräften aktualisiert, vertieft und mit neuen Anforderungen verknüpft werden kann – oder ob Brüche und Überforderungen fortgeschrieben werden. Damit Lehrkräftefortbildung ihre zentrale Bedeutung im System der Lehrkräftebildung entfalten kann, muss sie fest in eine phasenübergreifend abgestimmte Lehrkräftebildung eingebunden sein und zugleich Impulse in Studium und Vorbereitungsdienst zurückspielen.
In vielen Bundesländern sind deshalb in den vergangenen Jahren Strukturen, Programme und Projekte entstanden, die genau an diesem Punkt ansetzen und die Brücken zwischen den Phasen zu schlagen versuchen. Viele dieser Ansätze sind jedoch bislang nur in einzelnen Regionen bekannt und werden kaum systematisch miteinander ins Gespräch gebracht. Die Jahrestagung 2026 in Speyer möchte deshalb solche Brücken sichtbar machen, Erfahrungen aus den Ländern bündeln und Wege aufzeigen, wie sich erfolgreiche Modelle über einzelne Regionen hinaus übertragen lassen. Wir laden Kolleg*innen aus Landesinstituten, Hochschulen, Schulverwaltung und Bildungsministerien herzlich ein, sich mit eigenen Beiträgen an der Tagung zu beteiligen.

Themenspektrum: Von Brüchen zu Brücken

Im Zentrum der Tagung steht die Frage, wie aus Brüchen Brücken werden können – strukturell, inhaltlich, institutionell und mit Blick auf die professionelle Entwicklung von Lehrkräften. Beiträge können sich auf eine oder mehrere der folgenden Brückenperspektiven beziehen:

  1. Brücken über Phasen: Vom Nebeneinander zum Kontinuum
    In diesem Themenfeld geht es darum, wie aus drei getrennten Phasen der Lehrkräftebildung ein zusammenhängender Professionalisierungsweg wird. Im Mittelpunkt stehen Ansätze, in denen Lehrkräftefortbildung an Kompetenzen und Erfahrungen aus Studium und Vorbereitungsdienst anknüpft und so zur inhaltlichen und konzeptionellen Verzahnung der Phasen beiträgt. Beispiele können gemeinsame Kompetenzmodelle, abgestimmte Curricula, rückgekoppelte Praxisphasen oder phasenübergreifend geplante Fortbildungsreihen sein, die Kohärenz über den gesamten Berufsverlauf hinweg fördern.
  2. Brücken zwischen Akteur*innen und Institutionen: Zusammenarbeit gestalten
    Hier stehen die Menschen und Einrichtungen im Fokus, die phasenübergreifende Lehrkräftebildung gemeinsam verantworten. Beiträge können Kooperationsmodelle zwischen Hochschulen, Landesinstituten, Studienseminaren/ZfsL, Schulen und Schulleitungen, Zentren für Lehrkräftebildung, Schulverwaltungen, Fach- und Berufsverbänden sowie weiteren Partnern vorstellen. Im Mittelpunkt stehen Formen der Zusammenarbeit im Alltag – etwa gemeinsame Planung und Durchführung von Fortbildungsangeboten, phasenübergreifende Arbeitsgruppen oder Netzwerke, in denen Lehrkräftefortbildung ausdrücklich als gemeinsames Vorhaben verschiedener Institutionen verstanden wird.
  3. Brücken durch Inhalte und Formate: Gemeinsame Linien über alle Phasen
    Dieses Themenfeld richtet den Blick auf das, was inhaltlich und didaktisch verbindet. Gesucht sind Beiträge, die zeigen, wie fachliche und pädagogische Schwerpunkte – etwa Fach/Fachdidaktik, Diagnostik, Klassenführung, Feedback, Unterrichts‑ und Schulentwicklung – sowie Querschnittsthemen wie Digitalisierung, Diversität/BNE, Sprachbildung, Demokratiebildung oder Lehrkräftegesundheit phasenübergreifend angelegt werden. Im Vordergrund stehen Fortbildungsformate, Materialien und Lernsettings, die solche inhaltlichen Linien aufgreifen, an Vorwissen aus Studium und Vorbereitungsdienst anknüpfen und in schulische Entwicklungsprozesse hineinwirken.
  4. Brücken in Strukturen und Steuerung: Rahmenbedingungen bauen
    In diesem Themenfeld geht es um die strukturellen und systemischen Voraussetzungen dafür, dass phasenübergreifende Lehrkräftefortbildung gelingen kann. Im Fokus stehen Landesstrategien, Qualitätsrahmen, Governance- und Finanzierungsmodelle, Monitoring- und Evaluationsansätze sowie länder- und föderal übergreifende Kooperationen, die Fortbildung systemisch in Lehrkräftebildung und Schulentwicklung einbinden. Beiträge können unterschiedliche Modelle aus den Bundesländern vorstellen und diskutieren, wie durch Strukturen, Regelungen und Steuerung phasenübergreifende Brücken gebaut und dauerhaft gesichert werden. Dazu gehören auch Rollenprofile, Steuerungsstrukturen, regionale Netzwerke und Qualifizierungswege für Fortbildner*innen und andere Schlüsselpersonen, die als Brückenfiguren zwischen den Phasen wirken.

Wir begrüßen Beiträge, die empirische Befunde mit praktischen Erfahrungen verbinden.

Beitragsformate

Für die Tagungsbeiträge sind verschiedene Formate vorgesehen; weitere geeignete Formate können vorgeschlagen werden:

  • A) Präsentation / Vortrag mit anschließendem Austausch (90 Minuten):
    In diesem Format steht ein strukturierter Input im Mittelpunkt, in dem Konzepte, Projekte oder empirische Ergebnisse vorgestellt und mit Blick auf ihre Relevanz für die phasenübergreifende Lehrkräftebildung eingeordnet werden. Die Referierenden können die Länge des Vortrags innerhalb des 90‑minütigen Zeitfensters flexibel gestalten und die verfügbare Zeit auf Input und anschließenden Austausch verteilen. Ziel ist es, Erfahrungen, Befunde oder Modelle so aufzubereiten, dass sie für andere Länder und Institutionen nachvollziehbar und übertragbar werden.
  • B) Workshops (90 Minuten)
    Workshops sind interaktive Formate, in denen konkrete Konzepte, Materialien, Fortbildungsreihen oder Modelle phasenübergreifender Zusammenarbeit gemeinsam erprobt, diskutiert und weiterentwickelt werden. Die Teilnehmenden arbeiten aktiv mit, etwa in Kleingruppen, durch die Arbeit an Materialien oder durch die Planung konkreter Umsetzungsschritte für die eigene Praxis. Im Mittelpunkt stehen handlungsorientierte Zugänge und der gemeinsame Transfer in die Praxis der Lehrkräftefort- und -weiterbildung sowie ihre Verzahnung mit Studium, Vorbereitungsdienst und Schule.
  • C) Diskussion / Austauschforum (90 Minuten)
    Austauschforen sind moderierte Gruppendialoge, in denen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Phasen, Institutionen und Bundesländer ihre Erfahrungen, Fragen und Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen. Nach einem kurzen thematischen Impuls (z. B. durch ein Statement oder ein bis zwei kurze Inputs) steht der offene, dialogische Austausch im Plenum und in wechselnden Gesprächskonstellationen im Vordergrund. Ziel ist es, kollegiale Erfahrungen sichtbar zu machen, gemeinsam an Herausforderungen und Lösungsansätzen zu arbeiten und mögliche Kooperationen sowie Netzwerke über die Tagung hinaus anzubahnen.

Da die Tagung Raum für intensiven Austausch, Vernetzung und die Anbahnung von Kooperationen bieten soll, können insgesamt höchstens acht Beiträge ins Programm aufgenommen werden. Ausgewählt werden die Beiträge von einem Programmkomitee der Veranstalter*innen. Grundlage der Auswahl sind insbesondere:

  • Passung zum Tagungsthema und zu den vier Brückenschwerpunkten,
  • phasen- und institutionsübergreifende Ausrichtung,
  • erkennbare Anschlussfähigkeit für andere Länder und Regionen
  • sowie eine ausgewogene Verteilung der Formate und Herkunftsländer der Einreichungen.

Einreichung und Fristen

Beiträge können ab dem 20.04.2026 via E-Mail an ina.biederbeck@lehrerfortbildung.de eingereicht werden. Einreichungsfrist ist der 08.05.2026. Bitte reichen Sie ein Abstract (max. 600 Wörter, exkl. Literaturhinweise) im PDF-Format ein und geben Sie Titel, gewünschtes Format sowie Angaben zu den Referierenden (Name(n), Institution/Organisation/Einrichtung, Kontaktdaten) an. Über die Auswahl der Beiträge entscheidet das Programmkomitee.

Eine Rückmeldung erhalten Sie bis spätestens 26.05.2026. Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an ina.biederbeck@lehrerfortbildung.de.
Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und auf einen lebendigen Austausch zur Frage, wie aus Brüchen in der Lehrkräftebildung tragfähige Brücken werden können – mit der Lehrkräftefortbildung als zentralem Motor phasenübergreifender Zusammenarbeit.